Gewalt am Arbeitsplatz ist im Klinikbereich kein abstraktes Risiko, sondern manchmal leider bittere Realität. Doch wie begegnet man Aggression, ohne die eigene Menschlichkeit oder die Sicherheit zu opfern? Richtig angewandte Deeskalationsmaßnahmen reichen weit über „nur Reden“ hinaus, sie sind vielmehr eine präzise Wissenschaft und eine ethische Verpflichtung.
Die Ausbildung startete dort, wo das Verhalten entsteht: im Gehirn. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich intensiv damit auseinander, zu verstehen, was bei Stress im limbischen System (spezieller Teil des Gehirns) passiert. Das verändert den Blick auf das Gegenüber meist nachhaltig, denn Aggression wird oft als Hilflosigkeit oder Überforderung erkennbar.
„Überdies lernten wir, wie Eskalationsdynamiken funktionieren. Dabei spielt es unter anderem eine Rolle zu erkennen, wie die eigene Ursachenzuschreibung das Handeln beeinflusst“, beschreibt Schulungsteilnehmer Markus Hofmann. „Gepaart mit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Ethik, Trauma und den rechtlichen Aspekten von Gewalt und Zwang, festigte sich das Fundament für einen verantwortungsvollen Umgang mit Patientinnen und Patienten.“
Theorie ist wichtig, aber Sicherheit braucht Handwerkszeug. Deshalb wurde im Zuge der Deeskalationsschulung auch der Einsatz spezifischer Assessmentinstrumente geschult, um Gefährdungen frühzeitig und objektiv einschätzen zu können. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Konfliktmanagement und – als letzte Instanz – auf der kommunikationsgestützten Körperintervention. Hierbei geht es nicht um Überwältigung, sondern um den Schutz aller Beteiligten unter Wahrung der Würde, begleitet von einer kontinuierlichen, deeskalierenden Ansprache.
„Deeskalation beginnt im Kopf des Profis. Wer die Mechanismen von Aggression versteht, kann Sicherheit ausstrahlen, wo vorher Angst herrschte. Eine Arbeitssicherheitsanalyse ermöglicht es, die Theorie direkt auf unsere täglichen Arbeitsbereiche im Klinikum zu übertragen", betont Markus Hofmann.
„Es ist unerlässlich, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im sicheren Umgang mit schwierigen Situationen gut zu schulen,“ betont Pflegedirektorin DGKP Silvia Hickelsberger, MSc, MBA. „Deshalb bieten wir auch regelmäßig Deeskalationsschulungen an und bilden zudem zwei Mitarbeiter zum Deeskalationstrainer aus. Dadurch können wir den speziellen, klinikinternen Anforderungen optimal begegnen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer drei Klinikstandorte bestmöglich bedarfsangepasst schulen.“
Fazit: Ein gut implementiertes Deeskalationsmanagement im Klinikum ist ein wichtiges Tool im Hinblick auf ein konfliktfreies Miteinander.
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v.l.n.r. Trainer DGKP Martin Schriebl und Trainerin DGKP Nicole Paulus (beide: NAGS Austria) beim Üben der Deeskalationsmaßnahmen mit Markus Hofmann (Bildmitte)
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Trainer DGKP Martin Schriebl (ganz links im Bild) und Trainerin DGKP Nicole Paulus (ganz rechts im Bild) mit einigen der Teilnehmenden v.l.n.r.: OP-Ass. Markus Hofmann, DGKP Thomas Hobsig, Stationsleitung DGKP Silvana Petrova, PA Sascha Baumgartner, PA Sandra Redl und PFA Sabine Pratsch
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Sicherheit durch Kompetenz: Wenn Deeskalation zur Haltung wird
