Derzeit sind Besuche in den beiden Klinikstandorten des Bezirks nur mit 2Gplus erlaubt. Zu prekär ist die aktuelle Situation. Distanz ist angesagt, um Menschen nicht noch zusätzlich zu gefährden.
Seit fast zwei Jahren sind die Stationen B und Intensiv (IMCU) in Stockerau und Intensiv (ICU) in Korneuburg ganz besonders von der Pandemie betroffen. Hier werden Corona-positive Menschen, deren Verlauf nicht mild ist, behandelt. Betten mussten aufgestockt werden, Beatmungsgeräte zusätzlich angekauft und MitarbeiterInnen von anderen Stationen zugeteilt werden. Diese Betten sind seit Beginn der Pandemie fast durchgängig belegt. An manchen Tagen müssen sogar zusätzliche Intensivbetten organisiert werden, solange, bis ein reguläres Bett auf einer anderen Intensivstation frei geworden ist. In Korneuburg passiert das auch dadurch, dass das Aufwachzimmer zur erweiterten Intensivabteilung für Non-Covid-PatientInnen, welche ja auch weiterhin zu betreuen sind, umgewandelt wird.
„Es gibt keinen typischen Verlauf“, sagt Stations-Leiterin DGKP Monika Zimmermann von der Station B. „Die häufigsten Symptome sind Atemnot, Fieber, Husten, Geschmacksverlust, Durchfall, Müdigkeit, aber auch Augenschmerzen.“ Der Gesundheitszustand verschlechtert sich oft sehr rasch. Dann ist dringendster Handlungsbedarf gegeben, erzählt DGKP Michael Eichberger, Stationsleiter der IMCU Stockerau, „die Patienten spüren zu Beginn oft noch gar nicht, welch massiver Sauerstoffmangel schon gemessen wird.“ Ist Atemnot einmal eingetreten, beginnen meist auch Ängste der Patienten, bis hin zu Todesängsten.
Die Arbeit ist mehr als anstrengend. Nach fast jeder Pflegerunde muss auch die Dienstbekleidung unterhalb der Schutzbekleidung gewechselt werden, da diese völlig durchgeschwitzt ist. Nach dem Einschleusen auf den Intensivstationen kann oft über mehrere Stunden weder getrunken noch die Toilette aufgesucht werden.
Neben dieser physischen Belastung gibt es auch noch die psychische Komponente, die Kraft kostet. „Viele Tränen sind geflossen, nicht nur aus Trauer, sondern auch wegen dieser erdrückenden Machtlosigkeit, der wir ausgesetzt sind“, weiß Zimmermann. Häufig notwendige Dienstplanänderungen und Überstunden, die wenigen Erfolgsgeschichten und die Mehrfachbelastung vor allem für teilzeitbeschäftigte Mütter erschweren zusätzlich.
Die Sterblichkeitsrate auf den beiden Intensivstationen liegt bei etwa 30%, bei intubierten PatientInnen wesentlich höher. Bei Schwerstkranken werden Angehörige eingeladen, sich zu verabschieden. Das geschieht entweder per Telefon oder - nach Einhaltung aller notwendigen Schutzmaßnahmen - durch einen Besuch. „Das sind dann die schlimmsten Momente für alle Beteiligten“, so Eichberger.
In dieser eigenen Betroffenheit muss der Alltag aber weitergehen. Gefühle können oft nur beiseitegeschoben werden, denn schon warten die nächsten Aufgaben, die professionell erledigt werden wollen. Auch Angehörige beispielsweise, die in solch schwierigen Situationen sehr unterschiedlich reagieren, haben ein Recht auf Beratung. Da bleibt für sich selbst oft kaum Platz. Eher ist es eine Angst, die man mit nach Hause nimmt, vielleicht auch noch die eigenen Familienangehörigen anzustecken.
Mittlerweile hat man auf der IMCU Stockerau über 100 Corona-PatientInnen betreut. Der überwiegendste Teil davon ist bzw. war ungeimpft. Zwei Drittel der PatientInnen sind männlich. Das Durchschnittsalter der Schwerstkranken liegt bei 66 Jahren. Die jüngsten PatientInnen waren zwischen 31 und 38 Jahren alt.
Keinesfalls mehr gelten lassen wollen Pflegepersonen Aussagen wie, man hätte noch keine Gelegenheit für eine Impfung gehabt, man sei zu jung und brauche das nicht oder man hätte Angst vor Spritzen. „Unabhängig davon, wie man zur Impfung steht, gibt es zurzeit keine Alternative. Und im klinischen Alltag beschäftigen uns momentan junge ungeimpfte Personen ohne Vorerkrankungen“, sagt DGKP Hannes Pöhl von der ICU in Korneuburg.
„Auch wir sind nur Menschen und sehnen uns nach einem normalen Leben“, so der Wunsch der KlinikmitarbeiterInnen und sie appellieren: „Impfen gehen, Maske tragen, Abstand halten, das nützt allen!“
Und trotz allem bringt für Pöhl „diese beschwerliche Zeit auch sehr viel Potenzial für zukunftsweisende Veränderungen mit sich.“
Pflegedirektor DGKP Erich Glaser, akad. gepr. KH-Manager bringt es im Namen der gesamten Klinikleitung auf den Punkt: „Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dankbar für ihr Engagement, ihre Flexibilität, den Zusammenhalt und das Durchhaltevermögen.“
BILDTEXT
DGKP Birgit Ronge, Stationsleiter DGKP Michael Eichberger, DGKP Maria Kolowrat, DGKP Dominic Ammerstorfer (von links) von der IMCU in Stockerau in einem Intensivzimmer.
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